Gregor Schneider

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GREGOR SCHNEIDER (Stand 2008)

Geboren 1969 in Rheydt/ Mönchengladbach. Lebt und arbeitet in Mönchengladbach-Rheydt. Gewinner des Goldenen Löwen der Biennale Venedig 2001 für sein Gesamtkunstwerk " Totes Haus u r" im Deutschen Pavillion.

1989 bis 1992 studierte er an den Kunstakademien in Düsseldorf, Münster und Hamburg und war in den letzten Jahren an verschiedenen Kunstakademien in Amsterdam, Hamburg und Los Angeles als Gastprofessor tätig. Gregor Schneider arbeitet seit Anfang der 90er Jahre mit subtilen, kaum wahrnehmbaren Raumeingriffen, wie Verdoppelungen existierender Wände und physischer Räume, unter anderem in Galerien und Museen. 1985 begann Schneider mit der Arbeit an seinem zentralen Werk Haus u r in Rheydt, ein typyisches 3-stöckiges Reihenhaus, das er selbst alleine bewohnt. Bis heute wandelt Schneider dort die vorhandenen Räume um. Die neu gebauten Räume sind dabei oft Nachbauten der vorhandenen Räumen. Der neu gebaute Raum wird in einen vorhandenen Raum gebaut und verdrängt diesen dadurch, ohne ihn mental und physisch ganz verschwinden zu lassen. Der neu geschaffene Raum sieht ganz gewöhnlich aus und der Besucher befindet sich in einer dreidimensionalen, begehbare Skulptur wieder, ohne dies erkennen zu können. Er sucht das Kunstwerk, aber es ist der Raum selbst, der seine Befindlichkeit verändert. Wenn er das merkt, dann hat die Kunst schon mit ihm stattgefunden. Eine Wand kann Kunst sein, auch ohne dass ein künstlerisches Werk daran hängt. Der Journalist Perren hat zu Recht gesagt, "Schneiders Arbeit wirkt so, als wandere man durch die Schichtungen und Schalungen des eigenen Hirns und gehe dort den Mechanismen der Wahrnehmung und des Wissens nach.“ Später wurden ganze Teile des Haus u r in Rheydt ausgebaut und in internationalen Museen und Galerien aufgebaut oder gedoppelt. 2001 gewann Gregor Schneider mit der Einzelausstellung "Totes Haus u r, Venedig 2001“ den „Goldenen Löwen“ der 49. Biennale in Venedig. "Der unheimlichste Künstler der Gegenwart" - so kommentierte die Süddeutsche Zeitung die Nominierung von Gregor Schneider. 2003 wurde das "Tote Haus u r" für ein Jahr im MOCA, Museum of Contemporary Art Los Angeles, aufgebaut. Schon früh äußerte der Künstler, dass ihn die „Beschäftigung mit dem Unbekannten” fasziniere: „Je mehr ich mich damit beschäftige, desto unbekannter wird es für mich. Das ist für mich die Herausforderung es auszuhalten, immer weiter auf der Stelle zu treten.” In den letzten Jahren sucht er „das Unbekannte” auch in gesellschaftlich relevanten, öffentlich jedoch nicht ohne weiteres zugänglichen Räumen. Die Bandbreite erstreckt sich hier von einem Hochsicherheitstrakt auf Kuba, (Camp V, Guantánamo Bay) den sogenannten Black Sites, über einen Kinderstrich (Steindamm, Hamburg), bis hin zu einem religiösen Zentrum (der Kaaba in Mekka). Der CUBE VENICE 2005 und der CUBE BERLIN 2006 wurden aus politischen Gründen verboten. Realisiert wurde die Arbeit dann erst von der Kunsthalle Hamburg. Die Frage nach der Wirkung von Orten, also nach dem, was sie über die sichtbaren und erkennbaren Fakten hinaus transportieren, zieht sich als Konstante durch das Werk von Gregor Schneider.
(Text: Michael Staab 2008. Verwendete Quellen: Eigene und Wikipedia. Übernommen 2011 aus Michael Staab Die Biennale 07 Köln)

Michael Staab war künstlerischer und technischer Projektleiter der Ausstellung von Gregor Schneider "Totes Haus u r" im Deutschen Pavillion zur 49. Biennale Venedig, 2001, Projektleiter bei der Realisation der Rauminstallation "N.Schmidt" im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt und Planungsleiter für das politisch zensierte Projekt "Cube, Venice 2005" zur Biennale Venedig, 2005. Als Künstler war er Teilnehmer an der Ausstellung "Totalschaden", kuratiert von Gregor Schneider im Kunstverein Bonn, 2006 und zuletzt war wiederum Schneider Teilnehmer an seinem Kunstprojekt "Die Biennale 07 Köln: Haacke, Schütte, Schneider -Drei Löwen für Köln", 2007. Er hat sich in mehreren Artikeln, Interviews, Podiumsdiskussionen und Vorträgen mit dem Werk von Schneider auseinandergesetzt.

Interne Links:
Texte zu Gregor Schneider Michael Staab Texte zur Kunst
Kunstprojekt mit Gregor Schneider Die Biennale 07 Köln
Externe Links:
Homepage Gregor Schneider
Werkinformationen Gregor Schneider

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[bearbeiten] ARCHIV 2008. STATEMENT ZUR KUNST: Gregor Schneider und der Tod


Aus aktuellem Anlass (2008):
Die heftigen bis agressiven Reaktionen auf die Äußerungen des Künstlers Gregor Schneider, er denke darüber nach, einem Sterbenden einen auratischen und öffentlichen Kunstraum für seine letzten Tage zur Verfügung zu stellen, haben deutlich gemacht, wie empfindlich die Öffentlichkeit auf Tabubrüche beim Umgang mit Tod und Sterben reagiert. Gelingt es der Kunst, Bilder zu schaffen, in denen Faszination ebenso ihren Platz hat wie Scheu, in denen sich der Schrecken des Todes zeigt und gleichzeitig gebannt bleibt? Dahinter verbirgt sich auch die Frage, wie sich in unserer Gesellschaft human und würdevoll sterben lässt.

GREGOR SCHNEIDER: DAS MUSEUM, DIE PRESSE UND DER TOD

"Es erstaunt mich doch sehr, wie allein der ausgesprochene Gedanke eines Künstlers zu einem Kernthema der Kunst noch heute das gesammelte deutsche Feuilleton reflexartig in empörten Aufruhr versetzen kann. Meiner Erinnerung nach kamen in den letzten Jahren sehr viele Zeilenhonorare zusammen, als wohlig schaudernd über Gregor Schneider als den Mann mit den virtuellen Leichen im Keller berichtet wurde. Ich will hier gar nicht über die Qualität von Schneiders seit nun immerhin fast zehn Jahren sorgfältig reflektierter Idee sprechen, das kann man ja dann noch tun, wenn die Kunst in der Welt ist. Ehrlich gesagt geht es mir ziemlich gegen den Strich, wenn Journalisten den Geist eines Künstlers sinngemäß als sich in Verwesung befindend beschreiben oder ihm gleich ganz die Kunstberechtigung entziehen. Mir kommen solche auf Vernichtung ausgerichtete Haltungen der Kunst gegenüber aus sehr viel dunkleren und längst als überwunden geglaubten Zeiten bekannt vor. Seit wann haben die Leitartikler eigentlich wieder ohne Not die Lufthoheit über den Stammtischen erobert? Hab ich was verpasst?"
(Michael Staab im Mai 2008)
Direkte Mail an Michael Staab

Dazu Aktuell (2008): Diskussionsveranstaltung ein-blick
Sterben als Kunst?
KATHOLISCHE AKADEMIE HAMBURG
Donnerstag, 12. Juni 2008, 19.00 Uhr

Gesprächspartner:
Eugen Brysch, Deutsche Hospiz Stiftung, Dortmund
Prof. Dr. Richard Hoppe-Sailer, Kunstgeschichtliches Institut Uni Bochum
Beate Lakotta, DER SPIEGEL, Hamburg
Michael Staab, Künstler und Kurator, Köln
Moderation: Miriam Böttger, ZDF Aspekte

Einladungstext 2008: Die Reaktionen auf die Ankündigung des Konzeptkünstlers Gregor Schneider, einen Sterbenden in einem Kunstraum zu zeigen, haben deutlich gemacht, wie empfindlich die Öffentlichkeit auf Tabubrüche beim Umgang mit Tod und Sterben reagiert. Gelingt es der Kunst, Bilder zu schaffen, in denen Faszination ebenso ihren Platz hat wie Scheu, in denen sich der Schrecken des Todes zeigt und gleichzeitig gebannt bleibt? Dahinter verbirgt sich auch die Frage, wie sich in unserer Gesellschaft human und würdevoll sterben lässt.

Externer Link: Homepage des Veranstalters Katholische Akademie Hamburg


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